15.03.2007

Die Musikbranche im Jahr 2007: Positiv gestimmt

Impulse und Herausforderungen für die Musikwirtschaft
Nach einem bereits erfolgreich verlaufenem Jahr 2006 gehen die im DVMV zusammengeschlossenen Verbände der Musikwirtschaft auch positiv gestimmt in das Jahr 2007. Zunächst aber ein kurzer Rückblick auf das vergangene Jahr:

Bereits Anfang des Jahres sahen die Wirtschaftsexperten einen leichten Konjunkturaufschwung für 2006. Tatsächlich gewann die konjunkturelle Aufwärtsbewegung
im Jahresverlauf dann auch deutlich an Kraft. Diese günstige gesamtwirtschaftliche Entwicklung erreichte im Jahresverlauf schließlich auch den Arbeitsmarkt. Damit einher ging auch eine sichtliche Erholung des privaten Verbrauchsklimas. Seit dem 11. Januar 2007 stand es dann fest: 2006 war für die Bundesrepublik und speziell für die deutsche Wirtschaft ein gutes und erfolgreiches Jahr. Das Statistische Bundesamt hat an diesem Tag einen Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes 2006 um 2,5 Prozent festgestellt. Damit scheint der lang ersehnte Aufschwung angekommen zu sein. Jedoch muss gerade im Bezug auf die Entwicklung des Musikeinzelhandels die Freude hierüber noch ein wenig relativiert werden. Beispielsweise betrifft dies die konjunkturelle Delle im ersten Quartal 2007 aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung, die allerdings geringer ausfiel als befürchtet. Auch der erwartete Vorzieheffekt aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung – Verbraucher kaufen verstärkt hochpreisige Konsumgüter noch im alten Jahr zum bisherigen Steuersatz – trat nicht im angenommenen Maß ein. Trotzdem war das Weihnachtsgeschäft 2006 eines der erfolgreichsten seit langem.

Als Fazit bleibt, dass sich die Wachstumsperspektiven für Deutschland spürbar verbessert haben. Damit gewinnt hoffentlich auch erstmals seit mehreren Jahren die Binnenkonjunktur wieder an Fahrt. Davon wird auch der Musikfachhandel profitieren.

Steigende Unternehmensumsätze der deutschen Hersteller
Die im BDMH organisierten Instrumentenhersteller in Deutschland vermelden für das Jahr steigende Unternehmensumsätze. Insgesamt ergab sich eine Steigerung um 3,6 Prozent, berechnet auf die Pro-Kopf-Umsätze der Mitarbeiter sogar um 4,5 Prozent. Die Auslandsumsätze stiegen dabei um zwei Prozent; die Exportquote hat damit ein neues Rekordniveau von 64,1 Prozent erreicht. Wachstumsträger waren insbesondere Schlaginstrumente, Saiteninstrumente sowie Zubehör für Blasinstrumente.

Nach wie vor wichtigster Absatzmarkt für deutsche Musikinstrumentenexporte sind die USA trotz des deutlich höheren Eurowertes gegenüber dem Dollar. 44 Prozent ihrer Ware setzen die deutschen Produzenten in die EU-Länder ab, 56 Prozent außerhalb der EU.

Preisdruck und Verdrängungswettbewerb durch asiatische Billigprodukte sind nach wie vor wichtige Themen, die auf der Tagesordnung der deutschen Instrumentenhersteller stehen.

Die deutsche Klavierindustrie verzeichnete insgesamt Ergebnisse auf stabilem Niveau, wobei der Absatz von Flügeln weiter gesteigert werden konnte. Erfreulich sind weiterhin die Exportergebnisse, die auch durch die Erschließung neuer Märkte gestützt wurden.

Umsatzsteigerung auch bei den Importeuren
Die vom Verband SOMM entwickelte Branchenstatistik IMIS zeigt für das Jahr 2006 ebenfalls ein positives Ergebnis mit einem Zuwachs von insgesamt 3,5 Prozent. Die höchsten Umsatzsteigerungen wiesen dabei Bundinstrumente, Mikrofone sowie die Hardware-Synthesizer auf. Den größten Einbruch hatten im Jahr 2006 die portablen Keyboards mit insgesamt Minus 9,9 Prozent. Für das Jahr 2007 erwarten die SOMMMitglieder weitere Umsatzzuwächse und gehen mit großem Optimismus in das laufende Jahr.

Erfolgreiches Jahr auch für die Musikverlage
Auch die im DMV organisierten Musikverlage berichteten über eine positive Geschäftsentwicklung. Vertreten sind die Musikverlage auf der Frankfurter Musikmesse mit einem Teilaspekt ihrer geschäftlichen Tätigkeit, nämlich der Herstellung und dem Vertrieb der Musiknoten, dem sogenannten Papiergeschäft. Dies beträgt etwa 15 Prozent des Gesamtumsatzes der Verlage. Seit Jahren werden für dieses Segment der verlegerischen Tätigkeit konstante Umsätze gemeldet. Die ab 1. Januar 2007 erhöhte Mehrwertsteuer hat den Notenbereich nicht betroffen, da der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, dem die Musiknoten ebenso wie Bücher unterliegen, unverändert geblieben ist.

Weitere Umsatzträger der Musikverlage sind die Rechte und Lizenzen, die von den Verlagen selber wahrgenommen werden, wie die Vergabe von Lizenzen für die Werbung, für Musik im Film, usw. Der größte Umsatzanteil betrifft die Einnahmen aus den Rechten, die von der Verwertungsgesellschaft GEMA wahrgenommen werden. Die GEMA ist die gemeinsame
Verwertungsgesellschaft der Komponisten, Textdichter und Musikverleger. Die im letzten Jahr vorgelegte Jahresbilanz der GEMA für das Jahr 2005 weist mit 852 Mio. Euro ein neues Rekordergebnis aus. Aufgrund dieser positiven Entwicklungen der Erträge und der Aufwendungen erhöhte sich die Verteilungssumme um insgesamt 6,5 Prozent auf 731,9 Mio. Euro. Damit wurden erstmals in der Geschichte der Verwertungsgesellschaft über 700 Mio. Euro an die Rechteinhaber in Deutschland und in alle Welt ausgeschüttet. Dies ist umso bemerkenswerter als bekanntlich die Umsätze der Tonträgerindustrie auch im vergangenen Jahr wieder rückläufig waren.

Im Musikverlagsbereich gibt es neben den Raubkopien im Tonträgerbereich, die sich mittelbar auch auf die Verlage auswirken, nach wie vor das Problem des illegalen Kopierens von Musiknoten. Dabei gestaltet sich die Verfolgung deshalb so schwer, da es sich bei den „Tätern“ um die eigentliche Zielgruppe handelt – nämlich Musizierende, vom kleinen Musikschüler über das Chormitglied bis hin zum Blasmusikverein. Die besondereHerausforderung liegt dabei in der Aufklärung – denn viele sind sich dabei nicht bewusst, dass sie gegen geltendes Recht verstoßen, wenn sie Noten kopieren. Ein weiteres wichtiges Thema auf der Prioritätenliste der Musikverleger ist die Entwicklung des Urheberrechts in Deutschland. So engagiert sich der Verband in der Diskussion zur Gestaltung der Novellierung des Urheberrechts, dem sogenannten „2. Korb“. Die Lobbyarbeit im Sinne der Urheber erlangt vor allem vor dem Hintergrund der Aktivitäten der Europäischen Union in Brüssel Bedeutung, da die geforderten EU-Maßstäbe immer mehr zur einer Aushöhlung des Urheberrechtes in Deutschland führen könnten.

Zuversicht auch beim Musikfachhandel
Auch der Gesamtverband Deutscher Musikfachgeschäfte e.V. (GDM) berichtet, dass die Aufwärtsentwicklung der gesamten deutschen Wirtschaft mit dem Erstarken der Binnennachfrage erste positive Impulse für den Musikfachhandel erkennen lässt. Damit scheint der Aufschwung auch beim privaten Verbrauch angekommen zu sein. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass nach einem Aufschwungjahr eine deutliche Steigerung des privaten Verbrauchs erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung eintritt. Ein wichtiger Punkt für die Zunahme der Binnennachfrage ist sicherlich die erfreuliche positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Es darf jedoch nicht übersehen werden, dass diese günstige Entwicklung zwar auch auf die stark verbesserte Konjunktur zurückzuführen ist (die allerdings auch mit dem ungewöhnlich milden Winter zur Jahreswende 2006/2007 zusammenhängt). Wichtig ist jedoch, dass das Vertrauen und die Zuversicht der deutschen Verbraucher in einen anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung gefestigt sind.

Betrachtet man allerdings das abgelaufene Jahr aus der Sicht des deutschen Einzelhandels in Zahlen, ergibt sich mit 0,8 Prozent nur ein recht bescheidener Zuwachs. Eine große Rolle hat dabei das im letzten Jahr sehr gute Weihnachtsgeschäft gespielt, dass vielen Händlern gerade noch das Erreichen der schwarzen Zahlen möglich gemacht hat. Viele Musikfachhändler hoffen nun, dass sich das positive Konjunkturklima für sie im laufenden Jahr auch durch ein deutliches Umsatzplus bemerkbar macht. Die schon kurz angesprochene Erhöhung der Mehrwertsteuer hat glücklicher Weise nicht zu dem noch im letzten Jahr prognostizierten „Preisschock“ geführt. Der befürchtete Rückgang der Anschaffungsneigung ist wohl nur ein vorübergehender Effekt. Jedenfalls leidet der Konsum derzeit unter der Steueranhebung weniger als erwartet. Ebenso wie bei den Lieferanten gehörten auch bei den im GDM organisierten Händlern Schlaginstrumente und Musikelektronik zu den starken Umsatzträgern.

Soweit zu der wirtschaftlichen Entwicklung der Musikbranche sowie der Firmen, die auf der Frankfurter Musikmesse ausstellen. Nähere und detailliertere Angaben zur konjunkturellen Entwicklung der Unternehmen sind den Einzelberichten der Verbände zu entnehmen.

Förderung des aktiven Musizierens als wichtige Verbandsaufgabe
Alle im Dachverband zusammengeschlossenen Verbände haben sich zum Ziel gesetzt, auch mit Unterstützung der Messe Frankfurt, das aktive Musizieren zu fördern. Die Zahl der Deutschen, die ein Musikinstrument spielen, stagniert nach wie vor bei ca. acht Prozent. Die Anstrengungen zur Förderung des instrumentalen Musizierens mit dem Ziel, die Zahl der Musizierenden zu vergrößern, sind daher eine wichtige Verbandsaufgabe.

Einen Schwerpunkt der Aktivitäten bildet die berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung von Musikpädagogen. So hilft das Programm „Klassenmusizieren“ des BDMH den Pädagogen, den Regelunterricht mit Musikinstrumenten an allgemeinbildenden Schulen und Musikschulen zu gestalten. Weiterhin ist das vom GDM organisierte Projekt „Ein Anfang mit Musik“ zu nennen, das Erzieher im Kindergärten und Grund- bzw. Sonderschulen für die elementare Musikerziehung bereits im Kleinkind-Alter weiterbildet. Die Aktivitäten der Initiative „Let’s make Music e.V.“ werden vom SOMM in großem Maße unterstützt. NähereAngaben zu den Projekten finden Sie in den Verbandsberichten.

Aber auch branchenfremde Unternehmen und Institutionen haben durch die jahrelange Aufklärungsarbeit der Musikverbände die Wichtigkeit des aktiven Musizierens für die soziale
Entwicklung unserer Gesellschaft erkannt. So startete die Drogeriekette „dm“ im vergangenen Jahr eine Aktion „Zukunftsmusiker“, die u.a. vom GDM begleitet wird. Jüngste Initiative, die von den Verbänden besonders begrüßt wird, ist die Aktion „Jedem Kind ein Instrument“ der Kulturstiftung des Bundes.

Auf große Zustimmung ist zudem die „Initiative:Musik“ gestoßen, die vom Deutschen Bundestages angestoßen wurde und derzeit mit Hilfe des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Bernd Neumann, konkret umgesetzt wird. Auch hier sind die Verbände der Musikwirtschaft involviert, um möglichst viele Menschen zum Musizieren mit Instrumenten zu motivieren.

Auch zu diesen verschiedenen Projekten zur Förderung des aktiven Musizierens finden Sie nähere Angaben in den Berichten der einzelnen Verbände.

Frankfurt, im März 2007