31.10.2019

Das war die #MIBKON 2019: Netzwerkplattform für die gesamte Branche und Lösungsansätze gegen ruinösen Preisverfall und zunehmende Marktkonzentration - Gemeinsam können wir Großes erreichen!

Am 14. und 15. Oktober fand die zweite Ausgabe des SOMM-Herbstmeetings mit angeschlossener MI-Business-Konferenz - der #MIBKON, statt. Veranstaltungsort war diesmal das Cologne Marriott Hotel in Köln.
"Nach dem großen Zuspruch im letzten Jahr haben wir das Format im Dialog mit den Branchenteilnehmenden weiter ausgebaut und zielgenau auf die geäußerten Wünsche und Bedürfnisse ausgerichtet. Wir haben mehr Zeitfenster für den Austausch und zum Netzwerken eingebaut und auch das Vortragsangebot erweitert, so dass sich die Teilnehmenden ihre Highlight-Themen individuell auswählen konnten - der durchweg positiven Resonanz zufolge hat das ausgezeichnet funktioniert", sagte Daniel Knöll, Geschäftsführer der SOMM. Doch es gebe auch einen Wermutstropfen, so Knöll weiter: "Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Branchenteilnehmende dabei sind und von unserem Angebot, das von ganz praktischem Nutzen für jedes MI-Unternehmen ist, profitieren. Gerade im Hinblick auf die Teilnehmendenzahl aus dem Handel haben wir hier noch deutlich Luft nach oben." Diejenigen die dabei waren erwartete auf der diesjährigen Konferenz jedoch ein Programm zu den Themenbereichen Compliance, Marketing, Markt und Wettbewerb, das nichts zu wünschen übrig ließ – und natürlich gab es auch ausreichend Gelegenheit zum kommunikativen Miteinander. Aber der Reihe nach:
Tag 1 - Montag, 14. Oktober 2019
In seiner Begrüßung brachte Joachim Stock, Vorstandsvorsitzender der SOMM, direkt auf den Punkt, worum es bei der MI-Branchen-Konferenz geht: "Besonders ein zentrales Thema beschäftigt uns alle: Wie werden wir in Zukunft alle noch überleben und Geld verdienen? Wo bleiben die fairen Gewinnchancen für alle Marktbeteiligten? Es werden dringend Lösungen gesucht. Ein Austausch ist jetzt notwendig: gemeinsame Ideen sind zu entwickeln, neue Impulse sind zu setzen und aufzunehmen – um effizient auf aktuelle sowie zukünftige Herausforderungen zu reagieren und mit Zuversicht und Planungssicherheit Gegenwart und Zukunft gestalten zu können. Mit dieser Ausgabe der MIBKON geben wir direkte Antworten auf dieses aktuelle und brennende Thema.
Es folgte die Keynote der Generalsekretärin des Europäischen Musikrats (European Music Council - EMC), Simone Dudt, die aufschlussreich verdeutlichte wie Kulturpolitik in Europa funktioniert und was für Möglichkeiten Europa auch für die MI-Branche bereit hält. Eine interessante Aussage der Generalsekretärin am Rande: Bei aller Themenvielfalt die der Bereich Kulturpolitik gerade auch in Bezug auf die Musikwirtschaft bereithält - Dreh und Angelpunkt bleibe immer die musikalische Bildung und deren Förderung - ein Ziel, dem sich gerade im Hinblick auf instrumentalen Unterricht auch die SOMM und seine Mitglieder verschrieben haben.
Dann ging es ans Eingemachte: Max-Henrik Fabian stellte mit seiner Marktanalyse des IFH Köln detaillierte Zahlen zum MI-Markt vor: "Branchenfokus Musikinstrumente - eine Marktanalyse in sechs Akten". Und diese Zahlen hatten es in sich: Wie entwickelt sich der Markt? Wie sieht er in naher und mittlerer Zukunft aus? Wie schnell übernimmt der Online-Handel das komplette Geschäft? Oder gibt es gar eine Trendwende und Rückbesinnung auf den stationären Handel? etc. etc. Diese Fragen konnte Fabian, mit klaren Zahlen untermauert, erläutern - und es war so manche (überraschend) positive Nachricht dabei ... (Teilnehmenden der Konferenz stehen die Zahlen, wie auch alle weiteren Präsentationen, ab sofort zur Verfügung).
Im Anschluss stellte Ute Blindert (Blindert Beratung Köln) vor, wie man als Händler - ähnlich einem Profiler - seine Zielgruppe findet und die passende Kundenansprache darauf abstimmt. Ein Feld, in dem viel Potential zur Verbesserung der Performance eines jeden Handelsunternehmens steckt.
Dass die Marktteilnehmenden ganzjährig dutzende Einzelveranstaltungen besuchen müssen, ist wohl nicht das Modell der Zukunft ... oder doch? Nach dem Lunch ging es weiter mit Prof. Dr. Thomas Bauer, Studiengangsleiter Messe-, Kongress- und Eventmanagement der DHBW - Duale Hochschule Baden-Württemberg (Stuttgart) - mit seiner zentralen These: Leitmessen entwickeln sich weiter, jedoch ist der Kernnutzen als zeitlicher Anlass, räumlicher Treffpunkt und Plattform des Austauschs über Unternehmens- und Geschäftsmodellgrenzen hinweg wahrscheinlich relevanter als je zuvor. Wo und in welchem Rahmen trifft sich die MI-Branche also in Zukunft? Wo werden die Geschäfte gemacht? Dass die Marktteilnehmenden ganzjährig dutzende Einzelveranstaltungen besuchen müssen, ist wohl nicht das Modell der Zukunft ... oder doch?
Danach klärte Rechtsanwältin Dr. Anna Blume Huttenlauch, Kanzlei BLOMSTEIN (Berlin), über die Fallstricke des Kartellrechts auf  - und darüber wie man sich am besten gar nicht erst darin verheddert. Zum Ende ihres Vortrags hielt sie noch ein kleines "Geschenk" bereit  - zur Sicherheit verteilte sie am Ende eine Notfallübersicht mit klaren Schritten: Wie verhalte ich mich, wenn das Kartellamt vor der Tür steht?
Den Abschluss des ersten Tages bildete Michael Biwer, Bereichsleiter / Group Show Director Entertainment, Media & Creative Industrie der Messe Frankfurt Exhibition GmbH (Frankfurt) zum Thema "Messemanagement - heute und in Zukunft". Dabei gab er einen Ausblick, wie sich die Musikmesse weiterentwickeln will und muss, betonte aber auch, dass eine Messe vor allem eines voraussetzt: Wunsch und Willen der Branchenteilnehmenden nach einer gemeinsamen, effizienten Plattform.
Endlich - der heimliche Höhepunkt der Konferenz: das große Branchen-Get-together im "Früh am Dom" Brauhaus, zu dem die SOMM einlud. In lockerer Atmosphäre wurde sich ausgiebig ausgetauscht -  unter Herstellern, Vertrieblern und Händlern. Man sagt, es ging bis in die "früh"en  Morgenstunden ...
Tag 2 - Dienstag, 15. Oktober 2019
Ist eine Art "Buchpreisbindung" für das Kulturgut Musikinstrument denkbar? Am nächsten Morgen ging es straff weiter: Prof. Dr. Rupprecht Podszun, Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, deutsches und europäisches Wettbewerbsrecht, Direktor des Instituts für Kartellrecht, Heinrich-Heine-Universität (Düsseldorf) und Berater der Bundesregierung, trug nicht nur vor, was das Kartellrecht zulässt, sondern zeigte ganz konkret auf, welche Möglichkeiten die Musikinstrumentbranche hat, um den Weg in eine Monopolisierung zu stoppen und einem ruinösem Preisverfall erfolgreich entgegen zu wirken. Dabei gab er Impulse, wie dies zu bewerkstelligen sei: ein nicht ganz leichter Weg, der aber durchaus eine Chance haben könnte ...
Anschließend verdeutlichte Andreas Ruf, Vorstand Kooperationsnetzwerk Möbelindustrie e.V. (Ulm) "Möglichkeiten in konzentrierten Märkten" am praktischen Beispiel der Möbelbranche und wie beispielsweise Einkaufskooperationen mehrerer Unternehmen aussehen und effizient zum Vorteil aller Kooperationspartner arbeiten können.
Einen Blick in die Zukunft gab im Folgenden Raimund Bau, Geschäftsführer SO1 GmbH (Berlin), mit seinem Vortrag "Personalisierung, Preise und Artificial Intelligence“. Dabei zeigte er Möglichkeiten auf, wie man mit Hilfe von künstlicher Intelligenz sinkenden Margen und noch höherer Marktkonzentration erfolgreich entgegen wirken kann. Gleichzeitig machte er deutlich, dass es gelte schnell zu handeln: Wer jetzt nicht aktiv werde, für den sei der Zug innnerhalb einiger weniger Jahre endgültig abgefahren.
Eine klare Mehrheit informiert sich online aber kauft stationär - Tendenz steigend! Danach erläuterte Peter M. Rentsch, Inhaber der Unternehmensberatung "Retailadviser", ehemaliger Zara Deutschland Chef und Vertriebsvorstand des Kaufhof, am Beispiel der Modebranche die Prinzipien des Multichannel-Handels und übertrug sie auf die Musikinstrumentenbranche. Dabei machte er deutlich: Der stationäre Händler muss nicht der Verlierer der aktuellen Entwicklung sein, sondern hat gegenüber dem Online-Handel gravierende Vorteile. Besonders eindrucksvoll untermauerte er dies mit aktuellen Zahlen des HDE-Online Monitors 2019: Eine klare Mehrheit informiert sich online aber kauft stationär - Tendenz steigend!
Den Konferenzausklang bildete der Vortrag von Rechtsanwalt Markus Nessler, der schon im letzten Jahr in Bregenz mit seinen Impulsen für viel Stoff zum Diskutieren sorgte. In seinen Ausführungen zum Thema "Vertriebliche Kooperationsformen von Herstellern - alles verboten, oder was?" schlug er nichts Geringeres als ein ganz konkretes Modell für die Musikinstrumentenbranche vor, mit dem die Marktteilnehmenden (kartellrechtlich zulässig) der immer mehr zunehmenden Marktkonzentration wirksam begegnen könnten.
Ist die MI-Branche bereit für einen solchen Schritt? Es bleibt spannend die weiteren Entwicklungen zu beobachten, denn in seinen Abschlussworten stellte Daniel Knöll in Aussicht: "Es gab viele inspirierende - und auch ganz konkrete Impulse wie man den aktuellen und bevorstehenden Herausforderungen effektiv und effizient begegnen könnte. Wir nehmen viele gute Ideen mit, die wir als Verband auch konsequent und zielgerichtet verfolgen können - das geht aber nur mit einem klaren Mandat der Branche sowie der Bereitschaft sich auch als Marktteilnehmer aktiv einzubringen: Nur gemeinsam können wir Großes erreichen!"