04.11.2020

Europaweite Allianz der Musikinstrumentenbranche gegründet

Maßgebliche Interessenvertreter bilden EMIA (European Musical Instrument Alliance) und richten sich mit Appell zur Rettung des Kulturguts Musikinstrument an die Mitglieder des europäischen Parlaments und die EU-Kommission

Unter Federführung der SOMM – Society Of Music Merchants e. V. haben maßgebliche Verbände und Interessenvertreter der europäischen Musik- und Musikequipmentbranche (MI-Branche) eine Allianz gebildet und sich mit einem Appell „Für den Erhalt des Kulturguts Musikinstrument in Europa“ an das Europäische Parlament und die EU-Kommission gewendet.
Die European Musical Instrument Alliance (EMIA) ist eine Koalition der Spitzenverbände aus Deutschland (SOMM – Society Of Music Merchants e. V.), Frankreich (CFSI), Italien (DISMAMUSICA) und Spanien (COMUSICA), sowie Interessenvertretern aus BeNeLux und der Wirtschaftskammer aus Österreich (WKO).

In dem Schreiben, dass den zuständigen europapolitischen Entscheidungsträgern aus den Ausschüssen des Europäischen Parlaments (INTA – Internationaler Handel, ECON – Wirtschaft und Währung, IMCO – Binnenmarkt und Verbraucherschutz sowie CULT – Kultur und Bildung) als auch an die EU-Kommissare Mariya Gabriel (Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend), Thierry Breton (Binnenmarkt) und Paolo Gentiloni (Wirtschaft) zugegangen ist, macht die EMIA konkrete Vorschläge, wie das Kulturgut Musikinstrument gerettet und die Musikinstrumentenbranche – unabhängig von aktuell krisenbedingt notwendigen Soforthilfen und Förderprogrammen – mithilfe weniger regulatorischer Veränderungen nachhaltig konjunkturbelebend, wettbewerbsfähig und zukunftsweisend aufgestellt werden kann.

„Die Musikkultur in Europa steht derzeit auf dem Spiel. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Musikinstrumenten- und Musikequipmentbranche und das Kulturgut Musikinstrument, das in seiner Existenz bedroht ist“, appelliert Daniel Knöll, Geschäftsführung der SOMM und Sprecher der EMIA. „Mit der Stellungnahme zeigen wir mögliche Wege auf, wie durch wenige, legislative Änderungen und Regulierung die Branche in ganz Europa gerettet und langfristig und vor allem zukunftsfähig aufgestellt werden kann.“

Besonders alarmierend seien die Zahlen des stationären Musikfachhandels, der in seiner elementar wichtigen Funktion als lebendiges Kulturzentrum und Arbeitgeber kontinuierlich aus dem Stadtbild verschwinde: „Laut Monitoringbericht der Kultur- und Kreativwirtschaft 2019 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) schrumpft die Zahl der Musikfacheinzelhändler in Deutschland dramatisch: Gab es 2009 noch 2.235 Unternehmen, sank ihre Anzahl seitdem stetig um fast 30 Prozent auf nur noch 1.612, die 2018 mit Musikinstrumenten handelten. Ein ähnliches Bild zeigt sich in anderen relevanten Märkten in Europa. So wurde in Spanien im selben Zeitraum ebenfalls ein Rückgang der Facheinzelhändler um 30 % verzeichnet. Auch in Italien (26 %), Frankreich (28 %), BeNeLux (26%) und Österreich (20%) schlossen Facheinzelhändler ihre Pforten für immer.

„Aus Sicht der europäischen MI-Branche kann ein finanzieller Ausgleich der bereits entstandenen dramatischen Schäden nicht das einzige Ziel und probate Mittel ein, sondern viel mehr auch die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit einer Branche und die Sicherung des Kulturguts Musikinstrument“, so Knöll weiter.

Um dieser Entwicklung erfolgreich entgegenzuwirken, legt die EMIA der europäischen Politik ganz konkrete Lösungsvorschläge – jenseits von Geld-, Hilfs- oder Subventionsforderungen – vor:

„Auf Basis dieser alarmierenden Ausgangssituation und ausgehend von der These, dass die Handelsware Musikinstrument und Musikequipment schützenswerte Kulturgüter sind, appellieren die europäischen Branchenteilnehmer der Musikinstrumenten- und Musikequipmentwirtschaft an die EU, eine Regelausnahme innerhalb der Wettbewerbsbeschränkungen einzuführen, damit
•  entweder Preisbindungen für Handelserzeugnisse analog zur Buchpreisbindung ermöglicht werden,
•  eine Ausnahmeregelung einer Gruppenfreistellung für Kulturgüter im Falle der Überarbeitung des VBER verbindlich eingeführt
•  oder die Einführung eines für Europa gültigen Werbepreisgebotes für wettbewerbsorientierte Marktplätze akzeptiert wird.“


Abschließend heißt es in dem Schreiben: „Dieser Appell ist für den Musikinstrumentenmarkt in ganz Europa von großer Bedeutung und die politischen und möglicherweise legislativen Änderungen haben weitreichende existenzielle Folgen für eine ganze Branche, für das Kulturgut Musikinstrument und damit für die kulturelle sowie gesellschaftliche Entwicklung eines ganzen Kontinents.“

Hintergrund: European Musical Instrument Alliance (EMIA)
Die EMIA versteht sich als Forum und Diskursraum maßgeblicher nationaler und internationaler Verbände und Organisationen mit dem Ziel, die wirtschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen für alle Bereiche der Musikinstrumentenwirtschaft zu identifizieren, zu diskutieren, zu gestalten, zu optimieren und gegenüber der Politik zu adressieren.
Die EMIA verkörpert die Interessen von Unternehmen aus den Bereichen Herstellung, Vertrieb, Handel und Medien der MI-Branche.